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Holsteiner Ehrungen in Neumünster

02 11 2015


Züchter des Jahres – Landgraf I-Statue: Familie Witt, Wellinghusen
Georg Ahsbahs Medaille: Reimer Witt
Als Züchter des Jahres wurde in diesem Jahr die Familie Witt aus Wellinghusen ausgezeichnet, Reimer Witt erhielt für sein züchterisches Lebenswerk die Georg-Ahsbahs Medaille.
Nicht weniger als 71 Pferde aus ihrer Zucht waren in der Turniersaison 2015 im Turniersport erfolgreich. Auch international mischten die Witt-Pferde vorne mit. Genannt seien hier nur Cardea (Alexander Schill), Colore (Hans-Dieter Dreher), Laddison (Tina Deuerer), Quadros (Marco Kutscher) und natürlich Conrad de Hus. Der Con Air-Locato-Sohn wurde vor acht Jahren in Neumünster entdeckt und als nicht gekörter Hengst nach Frankreich an das Haras de Hus verkauft. Unter dem Belgier Gregory Wathelet gewann Conrad de Hus bei den diesjährigen Europameisterschaften in Aachen Einzelsilber und er gehörte der belgischen Mannschaft an, die im Nationenpreisfinale von Barcelona siegreich war.
Die Pferdezucht wird in Wellinghusen seit Jahrzehnten großgeschrieben. Hans Witt betrieb dort Anfang der 60iger Jahre die einzige Privathengststation in Dithmarschen. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn Reimer die Station, auf der u. a. der Waldenser xx-Sohn Wahnfried wirkte, der auch heute noch in vielen Dithmarscher Stutenstämmen zu finden ist. Im Sport sorgten vor allem die Wahnfried-Töchter Wonne und Wega unter Werner Peters für Aufsehen. Reimer Witt lag vor allem die Veredlung des Holsteiners am Herzen. So standen in Wellinghusen u. a. die Vollblüter Little Lion xx, Sawara xx und vor allem Sacramento Song xx, die im Pedigree vieler Stuten, nicht nur aus Dithmarschen, wieder zu finden sind. 1984 wurden in Wellinghusen Hengste des Holsteiner Verbandes stationiert. Mit Capitol I und Lord standen dort u. a. zwei Hengste, die die Holsteiner Zucht maßgeblich beeinflusst haben. Aus der Zucht von Reimer Witt stammen neun gekörte Hengste, darunter u. a. Cardento v. Capitol I, der unter dem Schweden Peter Eriksson drei Silbermedaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen holte und inzwischen ein erfolgreicher Deckhengst ist, Leandro und Sympatico. Heute ist Quo Vados in Wellinghusen stationiert, und Samen der Holsteiner Verbandshengste wird von der dortigen Besamungsstation aus vertrieben. Die Betriebsleitung haben inzwischen die Witt-Töchter Ute und Imme übernommen, Sohn Tjark lebt mit seiner Familie in Friedrichskoog, wo er einen Ausbildungs- und Turnierstall betreibt. Die Familie Witt züchtet heute mit rund 50 Stuten. 475 Fohlen sind bislang bei ihr auf die Welt gekommen, darunter die gekörten Hengste Colore und Quadros.

Georg-Ahsbahs-Medaille: Peter Diedrichsen, Borgsum/Föhr
Peter Diedrichsen ist für sein züchterisches Lebenswerk mit der Georg-Ahsbahs Medaille ausgezeichnet worden. Nach 37 Jahren hat er vor zwei Monaten die Verbandsstation in Borgsum/Föhr an Olaf Rörden übergeben. Hengste wie Chamonix, Landos, Calando I und Calando IV haben auf der Station gestanden, und die Top-Vererber des Holsteiner Verbandes, Carthago und Cassini I haben auf den Föhrer Weiden, gehegt und gepflegt von Familie Diedrichsen, ihren Lebensabend verbracht. Peter Diedrichsens Zucht basiert auf dem Stamm 318D2 aus dem auch die Lord-Tochter Caletta kam, mit der die Erfolgsgeschichte in Borgsum begann. Sie ist Mutter des Olympiapferdes Camiro (Tony Andre Hansen) und Großmutter von Cognac Champblanc v. Clearway, der bei den Europameisterschaften in Aachen unter Gerco Schröder Mannschaftsgold gewann. Weitere Erfolgspferde waren bzw. sind Never For Get (Hauke Luther, Janne Friederike Meyer) und Quentinus (Philipp Schulze). Bislang kamen 18 Fohlen aus der Caletta-Familie auf Föhr zur Welt. In der Aachener Soers sah Peter Diedrichsen den Schimmel, der einst über die Fohlenauktion in Behrendorf verkauft worden war, zum ersten Mal wieder. Es war ein äußerst bewegender Moment für den Züchter, der nur wenige Wochen später wieder im Rampenlicht stand: Auf der Fohlenauktion in Behrendorf stellte er mit der von Adagio de Talma abstammenden Halbschwester von Cognac Champblanc das teuerste Fohlen. Doch Peter Diedrichsen war nicht nur Züchter und Stationsbetreiber, er war auch der „Motor“ der Erfolgszüchter von der Insel Föhr. Er konnte begeistern und motivieren, er hat immer wieder dafür gesorgt, dass gute Stuten auf die Insel kamen. Und wie sagt es ein Züchter von der Insel so schön: „Es gäbe hier nicht so viele Züchter, wenn es Peter Diedrichsen nicht gegeben hätte“.

FN-Medaille in Gold: Peter Kröger aus Elpersbüttel
Für seine Verdienste in der Zucht wurde Peter Kröger aus Elpersbüttel mit der FN-Medaille in Gold ausgezeichnet. Der 85-Jährige ist u. a. Züchter von La Pasion de Caballo Ulika v. Colman, mit der Evi Bengtsson in diesem Jahr in Balve Deutsche Meisterin der Springreiterinnen geworden ist, und der gekörten Hengste Culture I und II. Peter Kröger war selbst aktiver Reiter, in den 50ziger Jahren startete er zusammen mit Sönke Sönksen, Kurt Jarasinski, Otto Peters und Hans-Werner Ritters auf den Turnieren in Dithmarschen. Margund v. Lichtschein aus dem Stamm 6786 kam 1957 als Fohlen in seinen Stall und sollte später die Kröger-Zucht in Elpersbüttel begründen. 1961 fohlte Margund von Kadett das erste Stutfohlen, dass später unter dem Namen Vivat ins Holsteiner Gestütsbuch eingetragen wurde. Von 1965 bis 1978 fohlte sie fünf Hengst- und fünf Stutfohlen, darunter auch Ordulane v. Korenbleem xx. Sie ist die Ur-Ur-Großmutter von La Pasion de Caballo Ulika. Auch Legende, die Urgroßmutter von Cento, unter Otto Becker Mannschaftsolympiasieger von 2000, stand in seinem Stall. Mit ihr war er ein ernstzunehmender Konkurrent beim traditionellen Ringreiten.
La Pasion de Caballo Ulika ist das erfolgreichste Pferd der Kröger-Zucht. Sie nahm unter Evi Bengtsson am Bundeschampionat teil, 2010 belegte das Paar in den Qualifikationen Platz vier und acht, und im Finale wurden sie 15. Mit diesem Ergebnis qualifizierten sie sich für die Weltmeisterschaften der jungen Springpferde in Lanaken. Die Karriere eines weiteren erfolgreichen Springpferdes aus Dithmarschen hatte begonnen.

FN-Medaille in Silber: Gabriele Pochhammer, Windeby
Eine kleine, aber feine Holsteiner Zucht betreibt Gabriele Pochhammer auf Gut Westerthal in Windeby. Durch den unvergessenen Hippologen Clemens Baron von Nagel hat sie das Holsteiner Pferd kennen und lieben gelernt. Die Zucht der ehemaligen Chefredakteurin des Fachmagazins ST. GEORG basiert auf der Stute Finnländerin, die eine der einflussreichsten Stuten der Zucht des Baron Nagel auf Gestüt Vornholz (Westfalen) war. U. a. gehörten Mariano, Weltmeister und Olympiasieger unter Dr. Josef Neckermann, und der westfälische Stempelhengst Radetzky sowie die Dressurpferde Don Primero und Don Schufro dieser Familie an. Auch Leonidas II v. Landos, der unter Mark Todd in dieser Saison weltweit das erfolgreichste Holsteiner Vielseitigkeitspferd war, gehört zu den Nachfahren der Finnländerin. „Ich hatte einfach das Glück, dass er bei dem richtigen Reiter gelandet ist“, sagt Gabriele Pochhammer bescheiden zu ihrem großen Zuchterfolg.

Fritz-Thiedemann-Medaille in Silber: Evi Bengtsson, Itzehoe
Ihren bislang größten Erfolg im Springsattel feierte Evi Bengtsson geborene Penzlin in diesem Jahr: Mit der selbst ausgebildeten La Pasion de Caballo Ulika wurde sie Deutsche Meisterin der Springreiterinnen. Vier Mal war sie in Balve ohne Abwurf geblieben. Seit 2010 betreibt die gelernte Versicherungskauffrau, die früher auch Erfolge im Dressursattel bis zur Kl. S aufweisen konnte, auf dem ehemaligen Bundeswehr-Schießplatz in Basten, in der Nähe von Itzehoe, einen eigenen Ausbildungs- und Turnierstall. Rund 50 Pferde sind dort beheimatet, ein Teil befindet sich in eigenem Besitz, hinzu kommen Beritt- und Pensionspferde. Die Schießscharten sind zu Offenställen umgebaut worden, die Schußfang-Wälle eignen sich, so Evi Bengtsson „prima für das Galopp- und Konditionstraining“. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war für sie die Hochzeit mit Rolf-Göran Bengtsson, den sie im Jahr, in dem er Europameister wurde (2011), kennen gelernt hatte.

Fritz-Thiedemann-Medaille in Silber: Sir Mark Todd
Er ist eine Legende unter den Vielseitigkeitsreitern: der Neuseeländer Mark Todd, Olympiasieger von 1984 und 1988. Der heute 59-Jährige ist 1978 sein erstes Championat – die Weltmeisterschaften in Lexington geritten –, zwei Jahre später gewann er zum ersten Mal das ****CCI in Badminton, das gerne als schwerste Vielseitigkeitsprüfung der Welt bezeichnet wird. Zwei weitere Siege - 1994 und 1996 – sollten folgen. Fünf Mal gewann er das ****CCI von Burghley, er wurde zwei Mal Mannschaftsweltmeister. Von der FEI wurde Mark Todd, der 2013 von Queen Elizabeth II für seine Verdienste um den Vielseitigkeitssport zum Ritter geschlagen wurde, als „Reiter des 20. Jahrhunderts“ ausgezeichnet. Nach einer Auszeit von acht Jahren in seiner Heimat, die er u. a. als Trainer von Galoppern verbrachte, kehrte Mark Todd 2008 wieder in den Sport zurück und qualifizierte sich gleich für die Olympischen Spiele in Hongkong. Seit fünf Jahren sitzt „Toddy“ im Sattel des Holsteiners Leonidas II v. Landos, dem erfolgreichsten Holsteiner in der Vielseitigkeit der Saison 2014/15. Mit dem von Gabriele Pochhammer gezogenen Braunen konnte er sich in diesem Jahr in den schweren Prüfungen von Badminton und Burghley auf dem vierten bzw. sechsten Platz platzieren.

Silberteller gegeben vom Top Special-Jahr-Verlag: Ursula Chojnacki, Stolpe
Ursula Chojnacki aus Stolpe hat sich der Zucht von Vielseitigkeitspferden verschrieben. In diesem Jahr ist ihr der ganz große Wurf gelungen: Nobleman C v. Nekton, der sich auch in ihrem Besitz befindet, gewann unter Moa Kulle der Bereiterin von Peter Thomsen, das Bundeschampionat der sechsjährigen Geländepferde.

Quelle Holsteiner Verband

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